auf der Suche / à la recherche

Totholz

Tusche, Pastel

160 x 120 cm

2020

Dr. Ingrid Leonie Severin
Text zur Ausstellung VERORTUNG
von Susanne Gressmann und Matthias Oppermann

Susanne Gressmann und Matthias Oppermann, zwei Hamburger Künstler/-innen schaffen im Spiel aus Nähe und Distanz ambivalente malerische und zeichnerische Erzählungen. Beide Künstler bringen Größenverhältnisse und Beziehungen frei und assoziativ ins Bild, verschieben spielerisch einzelne Bewegungen und Gesten, sie werden auf den Kopf gestellt, verkürzt, verlängert und überlagert und so als Spur im Bild gemalt öder gezeichnet sichtbar. In der Bestimmung der Bewegung durch mehrere imaginierte Orte erkennt man die Spur.

Für beide Künstler spielen „Suchbewegungen“ eine entscheidende Rolle. Ihre Bilder sind Erfahrungsräume in denen Vertrautes fremd und Fremdes vertraut aufscheint Ihre Bezugssystem, eine Auseinandersetzung mit neuen und alten Bildern, kommt einer Befreiung gleich. Wir sind eingeladen,. diese Suchbewegungen nachzuvollziehen.

Bei Susanne Gressmann kommt dieser Vorgang eher einem Fährtenlesen in Sedimenten und Schichten gleich. Ihre Bilder, wie beispielsweise „Bruchstücke“ aus der Serie „Totholz”, speisen Zustandsassoziationen von Substanz in ihrem Leben und Vergänglichkeit aus Überlagerungen von Zeit im Raum. Nähe und Distanz amalgamieren und werden in diesen Daseinszuständen aufgehoben. Das Aktive und das Werdende des Bildes ist wichtig, eine Zeitlichkeit im Bild, die nicht als das Dasein seiner Substanz in der Zeit begriffen wird, sondern als intensives Dasein der Zeit im Bilde.1 Spuren sind jedoch nicht nur beredte Beweise von Unwiederbringlichkeit. Sie bewahren nicht nur Vergangenheit, sie bewahren uns auch vor ihr, denn wo nichts bliebe, könnte sich alles beliebig wiederholen. Deshalb, so der Philosoph Niklas Luhmann bedeutet Gedächtnis „nicht etwa Speicherung von etwas Vergangenem […], sondern Hinausschieben der Wiederholung.“

Die im September diesen Jahres entstandenen Pastelle mit Titeln wie Wegewart oder Überlebenskünstler sind wie flüchtige Abdrücke, so wie das gegenwärtige Leben, Ihr Material, das pudrige Pastell, das schwer zu fixieren ist, denn bel Fixierung verändert sich der Farbton und mit der Zeit lösen sich Pigmentpartikel, wenn sie ihre Haftung verlieren. Es ist also eine fragiles Material, das leicht verwischt, verändert oder Zerstört werden kann. Wir gehen Wahrscheinlich nicht zu weit, wenn wir immanent im Material eine Zeitdiagnose diagnostizieren …