Susanne Gressmann

Texte

Jeder Zustand, ja jeder Augenblick ist von unendlichem Wert, denn er ist der Repräsentant einer Ewigkeit. (Goethe)

…ich weiß nicht genau, was ich sehe. Es ist zu vielschichtig. (Alberto Giacometti)

Statements

Meine Bilder entstehen im Versuch das Flüchtige in seiner Vergänglichkeit zu erfassen. Spuren, in denen jeder Blick als Moment einer Bewegung über sich hinaus verweist und die Bedeutung des Einzigartigen gewinnt.

Meine Versuche visuelle Eindrücke im Vergehen festzuhalten und gleichzeitig die Vergeblichkeit dieses Unterfangens abzubilden haben zu einer vielschichtigen Mischtechnik geführt. Ich arbeite mit Strukturen, die ich aus ihren originären Zusammenhängen löse, um sie in neue Bewegungsmuster zu fügen. Die Spannung zwischen Moment und Bewegung spiegelt sich im strengen Bildaufbau und den sich vielschichtig überlagernden Details wieder, die in ihrer Wiederholung Ordnungen in beständiger Auflösung bilden.

Die Spuren dieser Arbeit bleiben als Verweise auf einen immer nur vorübergehend angehaltenen Entstehungsprozess in den Bildschichten sichtbar. Verflechtungen und Ausschnitte, die in abstrakten Fragmenten nach einem Ganzen tasten, doch immer nur auf Ahnungen und Assoziationen stoßen.

Susanne Gressmann

Susanne Gressmann malt Reihungen. Es gehört konzeptuell zu ihrem Werk, dass Motive in Reihungen gesetzt ein Bild werden. So vermag sie ihr ästhetisches Anliegen, die Vielschichtigkeit von Bewegungen, den Gleichklang, Wechsel und Stillstand, die Verflechtung, Verbindungen und Wiederholungen sowie das Zusammentreffen von Bewegungen darzustellen. Ihr künstlerisches Interesse ist sehr vielmehr inhaltlich als formal ausgerichtet. Es geht ihr nicht vorrangig um die bildhafte Darstellung von Bewegungsabläufen. Sie bearbeitet mit dem Thema Bewegung inhaltlich auch das Phänomen der Zeitlichkeit und der Veränderung, das Verhältnis des Fragments zum Ganzen. Für sie vollziehen sich Veränderungen in einem „Zauber des Kreislaufs“, in dessen Wiederholung sich Unendliches darstellt. Das Gleiche ist nie das Gleiche und gerade in der Unterscheidung zeigt sich Einmaligkeit.

Bewegung als Zeitlichkeit und Veränderung beinhaltet notwendig Erinnerung. So kommt zu den philosophischen Grundthemen in ihrem Werk auch ein existentieller Aspekt hinzu: Bilder machen, um Beobachtungen, Gedanken und Erlebtes zu gestalten und auf eine andere Ebene zu transformieren.

Susanne Gressmann arbeitet ausschließlich auf Papier mit Kohle, Pastell, Tusche und reinen Farbpigmenten. Die formale Arbeitsweise der flüchtigen Notation entspricht in der Leichtigkeit des Vorläufigen dem Inhaltlichen ihrer künstlerischen Themenerarbeitung: der flüchtigen Bewegung.

Die Motive ihrer Arbeiten sind teilweise aus der Natur entnommen, doch nicht mimetisch abgebildet. Die abstrakten Figurationen erscheinen irgendwie schon immer bekannt und sind im Bildraum geheimnisvoll miteinander verknüpft. Bisweilen sind die Bilder im Bild herausgestellt; verwunderlich, dass so unterschiedliche Bildszenen im Gesamtbild doch ruhig und einheitlich erscheinen. Auch lässt der zurückhaltende Farbductus das grafische Element hervortreten, ein Formelement, dem eine inhaltliche Funktion zukommt: Die vergängliche Bewegung soll im Bild als Erinnerung präsent sein. Damit bleibt das Bild, was es ist, die künstlerische Auseinandersetzung mit Welt und menschlicher Existenz.

Erich Witschke

Die aus Belgien stammende Künstlerin beschäftigt sich in ihren Arbeiten von jeher mit den subtilen Bewegungen und deren Ordnung in der Natur, den Variationen und vielfältigen Arrangements von Formen und Farben, zu denen diese inspiriert und vorbildhaft Pate steht.

Die zarte Anmutung von Susanne Gressmanns Bildern beruht auf der fast ausschließlichen Verwendung von Kohle, Pastellfarben, Tusche und reinen Farbpigmenten auf Papier. Ihr Prinzip der flüchtigen Notation entspricht in seiner Leichtigkeit dem scheinbar vorläufigen Versuchscharakter der flüchtigen Bewegungen in einer sich andererseits statisch präsentierenden Natur.

Im abstrahierenden Nachvollzug erobert sie sich deren sichtbare und scheinbar unwiederbringlichen Veränderungen zurück und bannt sie auf einzigartige Weise zu subtil-zauberhaften Zeichen.

Ihre Bilder bieten viel Raum für Assoziation über die Energie der sich selbst organisierenden Systeme, die uns Menschen jeden Tag aufs Neue beeindrucken. Es ist eine Form von Intelligenz: Alles hat scheinbar seine Ordnung, seine Reihung und sein Geheimnis. Darum geht es in den Bildern von Susanne Gressmann.

Ihre Bilder umkreisen die Vielschichtigkeit dieser intelligenten, synchronen Bewegungen, ihren Gleichklang und Rhythmus, aber auch den Wechsel und den Stillstand, die Verflechtung, Verbindungen und die Wiederholungen sowie ihr Zusammentreffen. Aus der Beobachtung der Intelligenz in der Natur heraus schafft Gressmann 'Montagen der Erinnerung'.

Dr. Ingrid Leonie Severin

Vita

geb. in Brüssel / Belgien 1959

lebt und arbeitet in Hamburg und Zeeland/NL